Hakuin Selbstportrait

Rezitation des Sutra Enmei Jikku Kannon Gyo

Dieser Blog-Eintrag befasst sich mit der Rezitation des Sutra Enmei Jikku Kannon Gyo,  das Sutra für ein langes Leben.

Erweiterung unseres Übungsabends um Rezitation

Mokugyo
Mokugyo – Holzfisch

Nach unserem erfolgreichen Rezitations-Workshop im März haben wir unsere Meditationsrunden um die Rezitation von Sutras erweitert. Wir rezitieren zum Einstieg das Sutra „Enmei Jikku Kannon Gyo“ wie im Zen-Kloster Buchenberg sieben Mal, wobei das Tempo der Rezitation bei den letzten Wiederholungen ansteigt. Begleitet wird die Rezitation mit Klangschalen und Mokugyo. Weitere Sutras sind vorgesehen.

 

Das Sutra Enmei Jikku Kannon Gyo

Klangschale

Das Sutra „Enmei Jikku Kannon Gyo“ wird auch das „Zehn Sätze lebensverlängernde Kannon Sutra“ (Ten Phrase Life Prolonging Kannon Sutra) genannt. Es wird ihm eine heilende und lebensverlängernde Wirkung zugeschrieben. Es beruht auf auf dem Lotus-Sutra, einem zentralen Text des Mahayana-Buddhismus.

 

Kannon

Kannon (sanskrit: Avalokiteshvara, chin: Guanyin, jap: auch Kanzeon) ist im Mahayana-Buddhismus der Bodhisattva des Mitgefühls. Kannon manifestiert sich in diversen Gestalten, die männlich oder weiblich sein können. Erscheinungsformen gibt es als menschliche Figur (Sho Kannon), aber auch z.B. mit elf Gesichtern (Juichimen Kannon), mit sechs Armen (Nyoirin Kannon) oder mit Pferdekopf (Bato Kannon).
Kannon erhört leidende Menschen und hilft ihnen aus ihrer Bedrängnis in ihrer Exisstenz als Mensch und auch in den anderen (buddhistischen) Bereichen des Lebensrades.

Lotus-Sutra

Erstmalig erwähnt wird Avalokiteshvara im Lotus-Sutra, wo ihm ein eigenes Kapitel gewidmet wird. Das Lotus-Sutra entstand in der Zeit von ca. 350-400 n.Chr. Es liegt in einer vollständigen nepalesischen Version aus dem achten Jahrhundert vor sowie in zwei chinesischen Versionen, die etwa zur Entstehungszeit übersetzt wurden. Weitere Übersetzungen und Bearbeitungen folgten, wobei auch das Sutra Enmei Jikku Kannon Gyo entstand.

Hakuin
Hakuin Selbstportrait
Hakuin Selbstportrait

Das Enmei Jikku Kannon Gyo Sutra spielte für den Zen-Patriarchen Hakuin Ekaku (1689 – 1769) eine große Rolle. Er empfahl jedem, Buddhist oder nicht, das Rezitieren des Sutra zur Heilung von Krankheit und zur Überwindung von Unheil. Allerdings sollte man das Sutra täglich zwei- bis dreihundert Mal wiederholen.
Hakuin verdanken wir die heutige Form des Rinzai-Zen. Bekannt ist er unter anderem auch für sein Koan „was ist das Klatschen einer Hand?“.

Legende vom Kao-huang

Hakuin schildert in einem Brief von 1754 an den Daimyo (Lehensfürst) Nabeshima auch die Legende von Kao-huang, eines gläubigen Mannes am Tag vor seiner Hinrichtung. Er meditierte in seinen letzten Stunden über Kannon, als dieser sich vor ihm manifestierte. Kannon sagte, dass er sein Leben retten könne, wenn er in dieser Nacht noch das Kannon Sutra eintausend Mal rezitieren würde. Auch wenn dies nicht möglich sei, so solle er trotzdem damit sofort beginnen.
Als er am anderen Morgen hingerichtet werden sollte, zerbrach das Schwert und auch die anderen Schwerter, mit denen man die Hinrichtung versuchte. Kao-huang erzählte dem Scharfrichter von seiner Begegnung mit Kannon, woraufhin er freigesprochen wurde. Seither wird das Sutra in hohen Ehren gehalten und viele wurden durch das Rezitieren geheilt oder vor Unheil gerettet.

Die Pfingstrose (Paeonie)

Unser Titelbild zeigt passend zum Datum der Veröffentlichung des Blogeintrags einen Pfingstrosenstrauß. Die Pfingstrose  ist in China und Japan ein Symbol für Reichtum, Glück und Ehre. Sie wurde von buddhistischen Mönchen  von China nach Japan gebracht und ist in China die inoffizielle Nationalblume.
In der klassischen Lehre des Buddhismus sieht man in den Tempeln neben den vielen Lotus-Motiven auch zahlreiche Pfingstrosen. Der Legende nach sind ihre blühenden Triebe aus den Fußabdrücken  des jungen Buddhas entsprossen.

Quellen:

Gassho

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Winterpause. Nächste Abendmeditation am 09.01.2018

Unsere Ulmer Zen Übungsgruppe geht in die Winterpause.   Die nächse Abendmeditation ist am 09.01.2018.

Wir wünschen allen eine schöne  Weihnachtszeit, einen guten Übergang ins neue Jahr und für 2018 alles Gute.
Mögen alle Wesen glücklich sein.

Blumen im Frühjahr, der Mond im Herbst;
Eine kühle Brise im Sommer, Schnee im Winter.
Wenn dein Geist nicht verwirrt ist von Unwichtigem
ist jetzt die beste  Zeit deines Lebens.

aus der Koan-Sammlung Mumonkan (Die torlose Schranke)  von Mumon Ekai, 1183-1260.

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Hinweis – am Dienstag, dem 31. Oktober 2017, findet kein Übungsabend der Zendo Ulm statt.

Am Dienstag, dem 31. Oktober 2017, findet kein Übungsabend der Zendo Ulm statt. Der nächste Übungsabend ist am 7.November 2017. Die Zen-Lehrerin Fleur Wöss vom Zen Meditationszentrum Misho-an  in Wien wird an diesem Abend unser Gast sein. Wir weisen auch gerne hin auf die Veranstaltung  der Südwest Presse am 8. November 2017 um 19:00, bei der Frau Dr. Wöss ihr neues Buch „Innehalten oder die Kraft der Zwischenräume“ vorstellen wird. Der Veranstaltungsort ist die Gallerie der Südwest Presse , Olgastraße 129, 89073 Ulm.  Die Moderation hat Sabine Mayer-Dölle.

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Veranstaltungshinweis „Meditieren lernen“ mit Zen-Trainerin Verena Förderer

Jeder Mensch geht einen Weg. Der Weg zum Wesentlichen wird Zen genannt. 

Einstiegsseminar in die Zen-Meditation

Am Samstag, den 25.11.2017, veranstaltet unsere Daishin-Zen-Zendo wieder ein Einstiegsseminar, „Meditieren Lernen“. Die Veranstaltung wird angeleitet von Verena Förderer, Zen-Trainerin im Zen-Kloster Buchenberg und systemische Supervisorin,  sowie von Sabine Mayer-Dölle und Thomas Dölle von der Zendo Ulm.

Vorgesehener Ablauf

  • Einführung in die Zen-Meditation
  • Integration der Meditation in den Alltag
  • Vortrag und Fragerunde
  • Sitzen in Kraft und Stille
  • Kinhin ( Gehmeditation )
  • Sarei ( Teezeremonie )
  • Rezitation

Für diejenigen, die bereits längere Zeit in unserer Zendo meditieren, gibt es von 10.00 – 12.00 Uhr die Möglichkeit zum „Taiwa“. Hierbei handelt es sich um ein Gespräch mit einem Meditationslehrer oder einem erfahrenen Schüler.

Ort: Hochschule für Gestaltung Ulm
Am Hochsträß  8
89081 Ulm

Zeit: 12.00 Uhr – 16.30 Uhr

Kosten: 28 EUR (im Preis inbegriffen ist ein kleiner Imbiss)

Um die Veranstaltung gut vorbereiten zu können, bitten wir um eine verbindliche Anmeldung sowohl für das Taiwa als auch die Zen-Einführung.

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Sarei – wir trinken Tee

Sarei – wir trinken Tee

Sarei – dieses kleine Ritual fügt sich wie selbstverständlich ein in den Ablauf einer Zazen-Meditiation. Wieso ist das so und was sind die Ursprünge dieser Tradition?

Chajing - Teeklassiker
Lu Yu – Chajing

Der Genuss von Tee in China läßt sich bereits für das achte Jahrhundert nachweisen durch das Buch „Chajing“ (Tee-Klassiker) von Lu Yu (728-804). Sehr wahrscheinlich wurden einige Teepflanzen sowie das Wissen über die Zubereitung des Tees und über das Teetrinken von japanischen Mönchen im achten oder neunten Jahrhundert nach Japan gebracht, wo 815 erstmalig Teetrinken erwähnt wird. Die Zubereitung des Tees erfolgte damals allerdings anders als heute mit Teeziegeln und Gewürzen und war geschmacklich nicht mit dem heutigen Tee vergleichbar. Vermutlich fand das Ergebnis keinen Anklang in Japan und Tee geriet in Vergessenheit.

 

 

Rinzai Zenmeister Eisai
Myoan Eisai

Von dem Mönch Myoan Eisai (1141-1215) wurde zusammen mit der Rinzai-Schule des Zen auch erneut das Wissen um die Teezubereitung und auch wieder Teepflanzen von China nach Japan gebracht. Die Teeblätter wurden wie in der heutigen Form als Grüntee-Pulver aufbereitet. Tee wurde vor allem in Zen-Klöstern geschätzt, da ihm nachgesagt wurde, dass er der Gesundheit diene und die lange Meditation erleichtere. Teetrinken wurde traditioneller Bestandteil der Übungen des Zen-Wegs.

 

 

 

Teemeister Rikyu
Sen no Rikyu

Auf der anderen Seite haben sich der japanische Teeweg (Chado) und die Teezeremonie (Chanoyu) als Kunstform aus dem Zen entwickelt. Als Begründer der Teezeremonie gilt Murata Shuko (1423-1502, auch Shoko geschrieben), ein Schüler von Ikkyu Sojun vom Daitokuji Tempel. Ihm wird der bekannte Spruch zugeschrieben: „Zen und Tee haben gleichen Geschmack“. Von Sen no Rikyu (1521-1591) wurde die Teezeremonie zu der im Wesentlichen heute noch üblichen Form weiterentwickelt. Er fasste ihre Prinzipien in dem Ausdruck „wakei seijaku“ zusammen, gebildet aus „wa“ (Harmonie), „kei“ (Respekt), „sei“ (Reinheit) und „jaku“ (Stille). Wer sich mehr für die japanische Tee-Zeremonie und ihre Geschichte interessiert, findet etwa auf der Website der The Urasenke Foundation  weitere Informationen.

 

Grüntee
Eine Schale Grüntee

Die Teezeremonie im Zen wird „Sarei“ genannt. Sie wird zu Beginn einer Meditationssitzung oder auch zwischen zwei Meditationsabschnitten durchgeführt und ist wesentlich kürzer als die Chanoyu, die durchaus mehrere Stunden dauern kann. Für die Zubereitung wird grüner Blatt-Tee, also kein Tee-Pulver, verwendet und der Tee vom Teegeber (jisha) an die Meditierenden ausgegeben. Der Tee wird in vier Schlucken getrunken, die von den Worten „Klarheit, Respekt, Harmonie, Stille“ begleitet werden. Diese stehen für die Prinzipien der Tee-Zeremonie und sie führen die Meditierenden in ihre Übung.

Klarheit steht für die Klarheit des Raumes und des Geistes. Nichts im umgebenden Raum ist überflüssig, alles dient dem Zweck der Meditation. Der Geist richtet sich auf die Gegenwart, auf den gerade jetzt existierenden Moment der Zeit, auf das Wesentliche.

Respekt steht für die Achtung vor den Anwesenden, mit denen gemeinsam der Tee getrunken wird, für die Achtung vor den Gegenständen, durch die das Teetrinken möglich ist, vor dem langen Weg vom Tee-Setzling zur Schale Tee in der Hand und auch für die Einbindung in die Tradition des Rituals, das schon seit Jahrhunderten von Menschen im gleichen Geiste durchgeführt wurde und auch nach uns durchgeführt werden wird.

Harmonie entsteht mit den Anwesenden in dem Moment, in dem es für jeden nichts anderes gibt als Teetrinken, wenn die Bewegungen jedes Einzelnen mit denen der übrigen in rituellem Zusammenhang stehen und sich so für diesen Moment eine Gemeinschaft bildet.

Stille leitet über in die weitere Meditation, in der alles Störende, alle störenden Gedanken in den Hintergrund treten und nur die Übung bleibt.

Auch im Alltag bietet sich beim Teetrinken (aber auch beim Kaffeetrinken oder beim Essen) die Gelegenheit, sich für eine kurze Zeit seiner selbst, seiner Gedanken und seiner Umgebung gewahr zu werden. Wer möchte, denkt dabei an die vier Worte aus dem Sarei. Manchmal versteht man hinterher sich und seine Umgebung etwas besser.